Für euch, Mädels!

•2. Mai 2012 • Hinterlasse einen Kommentar

Und nur für euch! Für die  Mädels des Frauenzentrums.

Schließlich will ich nicht wieder ignoriert werden, wie beim letzten Mal. Bzw. einfach nicht ernst genommen. Ich meine, mich nicht ernst genommen zu fühlen, fühlt sich ja schon blöd an. Aber – von 2 offensichtlich frauenorientierten Frauen – ignoriert zu werden, nur weil ich eben nicht so offensichtlich bin: das ist wie zu einer Minderheit gehören und selbst von dieser ausgeschlossen werden.

Heute Abend krieg ich euch, Mädels! Wäre doch gelacht, wenn nicht.. Für den Mannweiberlook kann ich mich nicht begeistern. Es reicht, wenn ihr so rumlauft. So richtig Weibchen bin ich auch nicht. Mir fehlen die High Heels im Schrank. Und überhaupt: die Zeit rennt. Ich muss also auch auf den Nagellack verzichten. Meinen Hintern allerdings kriege ich auch in der Kürze der Zeit in meine knackigste Jeans. Nur für euch, Mädels. Nur für euch! Das weiße Oberteil lass ich an. Auch das sitzt knackig. Ich trainiere ja nicht umsonst 3x pro Woche. Und an meinem Hüftschwung habe ich erst heute Morgen auf dem Weg zur Uni gearbeitet.

Blume ins Haar? Blume nicht ins Haar?  Ach, egal. Keine Blume. Haare zusammen. Mascara. Lippenstift. Siegessicher in den Spiegel lächeln.

Was mache ich eigentlich mit euch, wenn ich euch habe? Hm. Mal gucken, was sich mit euch so anfangen lässt.Vorerst: Jagdfieber. Gedanken zur Verwertung der Beute: später.

Aufbruch. Einstieg. Umstieg. Ausstieg.  Brust raus. Bauch rein. Euch krieg ich, Mädels. Ganz sicher!  Und mit Schwung ins Frauenzentrum.

…Blöd nur, dass keine von euch beiden Ignorantinnen da ist. Dafür steht eine Frau vor mir, die erstens nett und zweitens hetero ist. Menno. Grumpf.

Darauf brauch ich ein Eis. Ein großes! Und wenn ich das wieder abtrainiert habe, dann krieg ich euch. Spätestens dann. Ganz bestimmt.

lebendig lernen

•2. Mai 2012 • Hinterlasse einen Kommentar

Lernen kann so schön sein. Auf dem Balkon über den Dächern des Nikolaiviertels in der Sonne sitzend – die Kuppel des Domes vor mir, Kugel und Spitze des Fernseturmes rechterhand. Und gerade noch sichtbar über dem Giebel des Hauses rechts weht die Fahne auf dem Roten Rathaus lustig im Wind.

Blauer Himmel über mir. Eine Tasse Kaffee auf dem Tisch und Morenos Buch zu Gruppentherapie und Psychodrama in der Hand.

Die leichte Brise um meine Nase fegt auch den Kopf von störenden Gedanken leer. Platz für Neues!

Leben kann schön sein. Lernen auch!

Priorität.

•10. Februar 2012 • Hinterlasse einen Kommentar

Lieber kopflos, als lebendig beraben.

S-Bahn-Szenen IV

•2. Februar 2012 • Hinterlasse einen Kommentar

Den schlurfenden Gang des alten Mannes vor mir würde ich überall wiedererkennen. Im Rom, am Nordpol, in Dublin oder hier, bei Eiseskälte am S-Bahnsteig des Bahnhofs Zoo. Er geht gebeugt. Ich sehe seine Hände nicht, weiß aber, dass eine zittert, weil sie das vor 8 Jahren, als ich ihn zum letzten Mal sah, schon tat. Und vor 12 Jahren als er ins Seminar schlurfte auch. Parkinson. Trotzdem war er auf allen Seminarfahrten fitter als wir Studenten, schneller zu Fuß durch die Stadt unterwegs und bedeutend begeisterter und konzentrierter in den Museen. Der lief uns echt davon. Wir keuchend hinterher. Keiner wollte was verpassen.

Der Mann ist ein wandelndes Lexikon. Er wusste alles. Immer! Konnte ganze Bücher auswendig. Ich habe alles seine Seminare besucht und alle Vorlesungen, sogar die Donnerstag Früh 08:30 Uhr. Er bekam als erster Professor ein Mikro, weil seine Stimme nachließ – was gar nicht nötig war, weil es sowieso Totenstill im Hörsaal war. Und ich weiß noch, wie traurig berührt ich war, als er zum ersten Mal nach Worten suchte und ihm Textstellen nicht mehr einfielen, obwohl er darum rang. Das passierte in den ersten Jahren nie, in den letzten 2 Semestern selten aber zunehmend, bis er vor 8 Jahren in den Ruhestand ging. Was muss es für ihn bedeuten, zu spüren, dass ihm sein immenses Wissen langsam verloren geht? Was muss es bedeuten, wenn die Arbeit eines ganzes Lebens ganz langsam verrinnt…?

Er war der Einzige, der wollte, dass wir Dinge verstanden und nicht nur auswendig lernten. Er war der Einzige, der meine Hausarbeiten toll fand, weil ich nicht seitenlang Fachjargon zitierte, sondern Zusammenhänge in meinen Worten wiedergab.

Er wirkt, hier in der Wintersonne auf dem Bahnsteig stehend, robuster, als ich ihn in Erinnerung habe. Dabei hatten wir uns schon im ersten Semester ob seines Durchhaltevermögens ernsthafte Sorgen gemacht, wenn er nur einen Hustenanfall am Pult kriegte. Einfach, weil er so zerbrechlich wirkte.

Gleichzeitig erinnere ich mich an einen Mann mit leuchtenden Augen, der gebeugt und gleichmäßig langsam durchs Treppenhaus schlurft und jeden anlacht, der ihn grüßt. Mit fast kindlicher Freude.

Ob das noch funktioniert?

Ich überhole ihn und blicke auf eine Hand, die noch immer zittert. Die nächste S-Bahn kommt in 3 Minuten. Aus kurzer Entfernung beobachte ich, wie seine Begleiterin am obersten Knopf des schicken Pelzes nestelt und offensichtlich nicht weiter kommt. Er zieht die Handschuhe aus, geht nah genug ran um keine Brille zu brauchen und schafft mit Engelsgeduld, was ihr nicht möglich war. Ich finde diese Fürsorge rührend und muss lächeln. Unsere Blicke treffen sich kurz später. Ich blicke nicht weg, sondern lächle ihn offen an. Ich freue mich über die Erinnerung und meine Berührtheit darüber, dass es ihn noch gibt.

Er kann sich unmöglich an mich erinnern. Ich bin eine von Hunderten – auch wenn ich lange und begeistert mit seinem Schwerpunkt, der Literatur im Mittelalter, beschäftigt war. Zudem bin ich einfach nicht mehr wieder zu erkennen.

Er lacht ganz offen zurück. Mit kindlicher Freude. Und leuchtenden Augen.

Winternacht

•29. Januar 2012 • Hinterlasse einen Kommentar

Der Mond, mein treuer Begleiter, hängt als Sichel klar am Himmel und blickt mit weichem Silberlicht durch zart verschneite Äste und mein Fenster.

Ich, in seinem Licht im warmen Zimmer, freue mich über meinen alten treuen Freund und lächle berührt zurück.

Leben ist Veränderung

•18. Januar 2012 • Hinterlasse einen Kommentar

Leben ist Veränderung.

Ist Veränderung, neben all dem Gewinn, auch immer Verlust?

Freundschaften bröckeln. Die, die mir wichtig sind erweisen sich als unlachbar. Ich will doch aber so viel lachen. (und kann es wieder).

Zudem erweisen die, die mir wichtig sind, sich als unweinbar. Und ich will doch auch weinen. (und kann es wieder) Manchmal mitten in das Lachen hinein!

Leben ist Veränderung! Ist es, neben all dem Gewinn, immer auch: Verlust?

Wirst du da sein?

•6. Januar 2012 • Hinterlasse einen Kommentar

Der Winter ist spätherbstlich kühl. Während der Fahrt mit der Ringbahn sehe ich die Sonne noch leuchtend gelb und warm untergehen. Wunderbar.

Strahlende Augenblicke in einer sonst derzeit zu grauen Stadt.

Ich kenne den Weg zum Treffpunkt quasi blind. Ich bin auf dem Weg zu meinem Lieblingscafé. Die untergehende Sonne habe ich eingesaugt.  Noch als ich aus dem Bus steige und die Hauptstraße überquere trage ich diese Sonne mit mir herum, obwohl sie hier untena auf der Straße längst nicht mehr zu sehen ist.

Mit jedem weiteren Meter werde ich langsamer.

Was hat mich eigentlich geritten, mich in meinem Lieblingscafé zu verabreden? Übermut? Verdrängung?

Ich überquere die Akazienstraße, mich umblickend; nach deinem Gesicht suchend. Ich finde es nicht. Irgendwie schade.

Du parkst immer direkt vor der Haustür, egal wo. Dein Auto steht nicht da. Gott sei Dank.

Wir saßen immer im hinteren Bereich des Cafés. Dort ist es gemütlicher und wärmer. Der Bereich ist brechend voll. Gott sei Dank. Vorn war noch ein freier Tisch. Wir saßen nie vorn.

In der Glasscheibe rechts neben mir flackert Kerzenlicht. In der Spiegelung dahinter öffnet und schließt sich die Eingangstür. Verstohlen beobachte die Eintretenden. Du bist nicht dabei. Irgendwie schade.

Später dann, bin ich nicht mehr allein. Gott sei Dank. Ich vergesse dich:  Mein Lieblingscafé ist wieder MEIN Lieblingscafé. Ich  erzähle, beobachte, höre – ich bin wieder bei mir;  – bis du mir mitten im Lachen wieder einfällst.

Mitten im Ankommen suche ich dich. Du kommst nicht. Du gehst nicht.

Gott sei Dank.

Irgendwie schade.

Und dann: im nächsten Lachen entschwindest du wieder.

Gott sei Dank.

Keine 24 Stunden später habe ich deine letzten Vermächtsnisse getilgt und endlich deine Stimme von meinem AB und die letzten Mails von meiner Festplatte gelöscht – auch die wundervollen.

Ich bin froh über jeden gelebten Augenblick. Leb wohl, Schönste!

 
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